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August 24 2010

Sicherheitsdienst hinderte Frau beim Krone-Fest gewaltsam am Betreten des Linzer Hauptplatzes

Paul Frühauf

Paul Frühauf

An: Bürgermeister Franz Dobusch, Stadtrat Detlef Wimmer, die Chefredakteure der OÖ Krone, OÖ Nachrichten und Österreich. 

Sehr geehrter Herr Bürgermeister,
sehr geehrter Herr Stadtrat,
sehr geehrte Chefredakteure,

ich wurde gerade eben am Betreten eines öffentlichen Platzes gehindert. Nicht etwa die Polizei verwehrte mir und Hunderten anderen Linzern den Zutritt zum Hauptplatz, sondern eine Truppe teils nicht einmal auf den ersten Blick kenntlicher ganz kleiner Aushilfs-Privatrambos in Kampfstiefeln.

Ich verstehe eine gewisse Nervosität angesichts der Menschenmassen bei diesem Stadtfest. Die Loveparade in Duisburg ist noch in guter Erinnerung, und wenn der Platz voll ist, dann ist er eben voll. Das versteht wirklich jeder. Mich stört jedoch der Stil. Irgend welche privaten ‘Sicherheitskräfte’, die sich in Kabul an der Donau wähnen, haben weder die Ausbildung noch das Recht, Menschen von öffentlichen Plätzen fernzuhalten. Noch weniger haben sie das Recht, diese Menschen auch nur mit den kleinen Finger zu berühren. Ich war Zeuge eines Zwischenfalls am Eingang altes Finanzamt, als eine dieser vollkommen überforderten Geistesgrößen eine Frau zuerst angeschrie und dann mit körperlicher Gewalt am Betreten des Hauptplatzes hinderte. Ein Polizist – und der allein hat im Namen des Volkes das Gewaltmonopol – war nicht in der Nähe, sondern stieß erst später dazu und beruhigte in professioneller Weise. So sollte es sein. Deputy-Sheriffs gibt es nur im Western.

Ich habe es nicht darauf ankommen lassen, um die Situation nicht noch weiter zu verschärfen. Ich garantiere jedoch, hätte dieser Clown mich als 1,93-Mann statt einer beinahe weinenden Frau angerührt, hätte ich von meinem Recht auf Notwehr Gebrauch gemacht. Privatklage herzlichst willkommen, rund 200 verärgerte Zeugen, danke.

Als Bürger dieser Stadt fordere ich, dass solche Aufgaben auf öffentlichem Grund von der Polizei übernommen werden. Wenn diese Möchtegerns halbohnmächtig gesoffene Teenager auf dem Privatgrund vor diversen Großraumdiscos einschüchtern, ist mir das egal und liegt im Ermessen der Betreiber. Nicht mit mir. Nicht mit den meisten Erwachsenen. Und ganz sicher nicht auf öffentlichem Grund.

Wenn die Linzer Polizei mit dem Verfolgen von im Wahlkampf erfundenen Phantombedrohungen zu ausgelastet ist, wird es wohl möglich sein, Polizisten aus den Verbrechensmetropolen im Umland anzufordern. Schließlich handelt es sich um ein paar Straßen bei einem friedlichen Fest und keine Russeninvasion.

Diese Vorgehensweise reflektiert leider nicht nur auf die Organisatoren und Sponsoren dieses ansonsten schönen Festes, sondern auch auf die Stadt selbst. Wenn solche Aktionen diese Platitüde vom ‘subjektiven Sicherheitsgefühl’ stärken sollen, wünsche ich mir, es gäbe all diese furchtbaren Bedrohungen wirklich, vor denen uns die Politik so gerne Angst zu machen versucht. Dann wäre die Polizei nämlich so weit aufgestockt, dass wir weder lächerliche Stadtwachen noch ebenso lächerliche ‘Sicherheitsfirmen’ bräuchten. Diese Einrichtungen halte nämlich ICH aufgrund ihrer Struktur, ihres Personals und ihrer Hörigkeiten für die wahre Gefahr.

Mit freundlichen Grüßen

Paul Frühauf
4040 Linz

http://www.neumondnacht.at/2010/08/21/stadtfest

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