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March 21 2010

Katholische Kirche soll Opfer finanziell entschädigen

Mit dem jahrzehntelange Umgang rund um die Mißbrauchsfälle hat die katholische Kirche schwere Schuld auf sich geladen. Opfer wurden zu Tätern abgestempelt und zum Stillschweigen verpflichtet – damit wurden sie ein zweites Mal Opfer. Täter wurden durch Versetzung innerkirchlich geschützt, strafrechtlich relevante Taten dem Staat verschwiegen. Diese innerkirchliche Vorgehensweise war wohl durchdacht und geht auf ein Dokument des Vatikans aus dem Jahre 1962 zurück.

Dieses Vatikan-Dokument wurde laut Observer noch 2001 von Kardinal Ratzinger bestätigt. Daher stellt die Klarstellung durch den nunmehrigen Papst Ratzinger, daß sich die Täter der Justiz beugen müssen, eine Zäsur dar. Anders darf das auch nicht sein und es ist verwerflich genug, daß sich die katholische Kirche mit der Stellungnahme und dieser Regeländerung so lange Zeit ließ. Fraglich ist auch, warum kein Staat bislang die Kirche in dieser Frage herausgefordert hat und es der katholischen Kirche erlaubt war, sich über das Gesetz zu stellen.

Abgesehen von Strafverfahren würde es der Katholischen Kirche aber auch gut anstehen, zwei weitere Maßnahmen voranzutreiben:  erstens, eine klare Regelung, wie mit den Tätern verjährter Taten innerkirchlich umgegangen wird, und zweitens den Opfern eine finanzielle Entschädigung anzubieten.

December 06 2009

JA, ich würde für ein Minarett stimmen

Ira Shanker

Ira Shanker

Mittlerweile ist das ein Satz, mit dem sich sogar die Grünen (siehe Interview) schwer tun – dank der Geiselhaft ausländerfeindlicher Parteien und Inkonsistenzen in der öffentlichen Selbstdarstellung muslimischer Mitbürger und Mitbürgerinnen. Und doch: Wenn ich es mir überlege, könnten mir Minarette gefallen. Orientalisches Flair in unserer abendländischen Kultur – Kirchturm und Minarett im Gleichklang. Schade, daß hier wieder einmal über Symbole und deren Verbot diskutiert wird, statt eine ganzheitliche Lösung zu finden.  Schade auch, daß Demokratie und Meinungsfreiheit mit der Faschismus- und Wirtschaftskeule beantwortet werden.

Denn nicht nur wir Österreicher und Österreicherinnen sind in diesem Fall zur Verantwortung zu ziehen: extreme Aussagen von verschiedenster Seite helfen nicht gerade, Ängste und auch Aggressionen einzudämmen sondern leisten nur jenen Vorschub, die es ‘eh sowieso gewusst haben’. So graben sich Vorurteile tief in der Gesellschaft ein.

Greift ein Minarettverbot in die Religionsfreiheit ein?

Die Religionsfreiheit ist in Artikel 18 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte der UNO, die das Minarettverbot als geregelt. Dort heißt es:

Jeder Mensch hat Anspruch auf Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit; dieses Recht umfasst die Freiheit, seine Religion oder seine Überzeugung zu wechseln, sowie die Freiheit, seine Religion oder seine Überzeugung allein oder in Gemeinschaft mit anderen in der Öffentlichkeit oder privat durch Lehre, Ausübung, Gottesdienst und Vollziehung eines Ritus zu bekunden.“

Braucht eine Moschee ein Minarett, damit in ihr Religion ausgeübt werden kann? Eine schwierig zu beantwortende Frage, analog zu ‘braucht eine Kirche einen Turm?’. Die Antwort darauf ist bekannt, nein, braucht sie nicht und Kirchenneubauten haben auch zumeist keinen. Historisch hat der Turm dieselbe Funktion wie ein Minarett heute, nämlich als weithin sichtbares Zeichen. Rein verfassungsrechtlich müsste der Staat eine äquidistante Haltung gegenüber allen anerkannten Religionen einnehmen. Wer also Kirchtürme erlaubt, muss auch Minarette erlauben.

Gleiches gilt übrigens für Kreuze im Klassenzimmer, die ebenfalls eine Bevorzugung einer Religion darstellen. Geregelt ist diese Sonderstellung übrigens im Konkordat, einem Vertrag des Staates Österreich mit der katholischen Kirche aus dem Jahr 1933. Wie zeitgemäß dieses Dokument, das nicht nur offenbar über Verfassung und Strafrecht (siehe Fall Groer) steht, sondern auch uns Steuerzahlern und Steuerzahlerinnen ganz schön teuer kommt, heute noch ist, müsste endlich überprüft werden.

Vom Hinterhof in den Mainstream

Abseits des Minarettstreits ist für mich die Entwicklung von der heute üblichen Hinterhofmoschee hin zu gut integrierten, öffentlich zugänglichen Moscheen das wesentlich wichtigere Thema. Wenn es für Menschen wichtig ist, Religion gemeinsam zu erleben, gebietet die Religionsfreiheit den Bau von Moscheen. Allerdings auf Kosten der Religionsgemeinschaft und im Rahmen der Bauordnung. Letzteres allerdings nicht wie bei unseren Kärntner Freunden, die über die Bauordnung den Bauten verhindern.

Offenheit ist selbstverständlich ein zweischneidiges Schwert und muss von allen Seiten gewollt und akzeptiert werden.

‘ 5 x am Tag den Muezzin – nein danke! ‘

Das ist ein oft geäußertes Gegenargument gegen Minarette. Doch hat sich nicht auch bei den Kirchen viel verändert? Statt dem stündlichen Kirchturmläuten schlagen Glocken oft nur mehr mittags. Auch das Minarett hat seine Funktion im Laufe der Zeit verändert. Statt dem Muezzin auf dem Minarett finden sich in modernen Moscheen Lautsprecher, die zum Gebet rufen. In einer offenen Gesellschaft ist auch von den Muslimen Bewegung zu erwarten, und zwar insofern, als sie sich den Wünschen der Gemeinschaft – vom Katholiken bis zum Atheisten – annähern.

Ich halte den Bau einer Moschee oder eines Minarettes nicht für ein Minderheitenrecht – Minderheiten sind klar definiert und Religionsgemeinschaften sind nach österreichischem Recht keine solche. Klar definierte Mediationsprozesse im Vorfeld zu Moschee-Bauten halte ich deshalb für zwingend, weil es das aufeinander Zugehen und die inhaltliche Diskussion langfristig fördern wird. Die Politik und die Religionsgemeinschaften werden die Menschen in dieser Sache dort abholen müssen, wo sie stehen – mit allen berechtigten und unberechtigten Ängsten, Urteilen und Vorurteilen.

Moschee-Bauten in Abstimmung mit der lokalen Bevölkerung erweisen sich übrigens als sehr erfolgreich, wie das Beispiel Bad Vöslau zeigt.

Was passiert in der muslimischen Community?

Die unterschiedliche Darstellung religiöser Fragen seitens der muslimischen Vertreter vergrößert die Verunsicherung gegenüber dem Islam. Während vor laufender Kamera das Turnverbot für Mädchen als keine religiöse Frage bezeichnet wird, finden sich im Internet Standardformulare zum Herunterladen. Immer wieder ist zu beobachten, dass Lebensrealität und öffentliche Darstellung auseinander klaffen.

So braucht es beispielsweise zum Turnverbot eine religiöse, politische und gesetzliche Klärung. Aus meiner Sicht gelten hier die Gesetze für alle Schüler und Schülerinnen gleich. Eine Befreiung aus religiösen Gründen ist undenkbar. Gut auch, dass der Generalsekretär des deutschen Zentralrates der Muslime dies auch öffentlich bestätigt hat und keine religiöse Legitimation für eine Turnbefreiung sieht.

Der Ball liegt auch bei den Muslimen

Es liegt auch an den modernen Muslimen und offenen Communities, die Stimmung in unserem Land positiv zu beeinflussen, fundamentalistischen Kräften entgegenzutreten und langfristig für ein positiveres Klima zu sorgen, das irgendwann aus dem Nebeneinander ein Miteinander möglich macht.

Gefordert wäre auch die Politik, die es trotz offenkundiger Probleme weiterhin nicht schafft, für klare Spielregeln und einen offenen Dialog zu sorgen!

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