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Stammtischrhetorik für… wen eigentlich?

Paul Frühauf

Paul Frühauf

Dieses Wochenende haben wir wieder einmal die Antwort auf die ewige Frage bekommen, warum das LIF bei Wahlen sehr übersichtliche Ergebnisse einfährt. Sie kam aus einer interessanten Richtung und war wohl nicht als solche gedacht: Unser aller Lieblings-Innenministerin sagte, sie wolle zwar Ingenieure als Zuwanderer aber keine Analphabeten aus dem Bergdorf.

Abgesehen davon, dass sie in der Sache nicht Unrecht hat, ist so eine Aussage einer Ministerin unwürdig. Es geht ihr nicht um die Sache. Es geht ihr darum, so wie der Rest der Parlamentsparteien mit Ausnahme der ebenfalls chronisch erfolglosen Grünen die allertiefste Wählerschicht anzusprechen. Solche indiskutablen Aussagen hört man normaler Weise nur nach vier, fünf Bieren an einem Sonntagvormittag in jedem beliebigen Wirtshaus. Es ist auch keine Frage von political correctness. Die Aufgabe eines Regierungsmitgliedes ist, die Gesetze zu vollziehen und nicht private Ressentiments auszuleben. Man sollte glauben, dass Menschen, die das nicht können, vor dem Aufstieg in höchste Staatsämter aussortiert werden. Doch schon in der Causa Zogaj war es Frau Fekter nicht möglich, ihre persönliche Abneigung gegen ein Teenager-Mädchen glaubwürdig in Schach zu halten. Damals konnte man es noch für einen Ausrutscher halten, dass sie sich von der Gegenwehr der Arigona persönlich angegriffen fühlte. Doch so legt sie noch ein Schäuferl nach. Vermutlich nicht ohne den Hintergedanken, diese an sich verschwindend kleine unkritische Bierzutzler-Schicht anzusprechen.

Das finden wir schade. Liberale nehmen prinzipiell an, dass jeder Mensch ein gewisses Mindestmaß an Intelligenz und Urteilsvermögen hat – nicht umsonst glauben wir, dass Eigenverantwortung besser funktioniert als staatliche Bevormundung. Aus genau diesem Grund wird es von LIF-Funktionären niemals solche Aussagen geben. Trotzdem wissen wir, dass in Migrationsfragen vielen falsch läuft und haben auch Konzepte, das zu ändern. Dabei werden wir jedoch niemals auf das tiefst mögliche Niveau, das wirklich nicht mehr allzu weit von dem entfernt ist, was bei FPÖ-Zeltfesten so gesagt wird, sinken. Unseren tatsächlichen und potenziellen Wählern trauen wir zu, dass sie dem folgen können.

Vielleicht ist das der große Fehler. Vielleicht fährt man ohne Leute wie Frau Fekter  in den eigenen Reihen keine 30 Prozent ein. Aber eines ist sicher: Wir und unsere Wähler fühlen uns wohler, wenn wir nicht die niedrigsten Instinkte des gegeneinander Ausspielens ansprechen sondern konkrete und menschliche Lösungen vorschlagen.

Auch die ÖVP war einmal eine anständige Partei und ist es in weiten Teilen auch heute noch. Es wäre angebracht, wenn sie aufhören würde, sich mit der FPÖ um den braunen Bodensatz zu balgen. Der Wähler hält sie für staatstragend. Es wäre angebracht, sich auch so zu verhalten.

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Schweinderl