Tumblelog by Soup.io
Newer posts are loading.
You are at the newest post.
Click here to check if anything new just came in.

Nun gehört uns „ein Fass ohne Boden“, weil die Bayern die Hypo Alpe Adria nicht mehr wollten

Während sich Bayern von der Hypo Alpe Adria – dem „Fass ohne Boden“ – verabschiedet, nehmen wir über Nacht ein Milliarden Risiko auf uns. Angeblich, um den Finanzplatz nicht zu gefährden. Finanzminister Pröll meint im Standard, daß das Risiko einer Insolvenz für die Republik nicht verkraftbar gewesen wäre. Oder anders betrachtet: der Skandal liegt im Risiko, das Pröll uns aufbürdet, weil er übers Wochenende eine Bank notverstaatlicht.

Mittlerweile gefährden unsere Politiker den heimischen Bankenplatz immer stärker. Das Mantra der „systemrelevanten Banken“ hat Finanzminister Pröll am Wochenende in eine schwache Verhandlungsposition gegenüber den Alteigentümern gebracht.

Eine Bank kann sehr wohl auch in Insolvenz gehen und geschlossen werden. Besser ein Ende mit Schrecken, als ein Ende ohne Schrecken.

Hat Pröll die Nerven verloren?

Wenn tatsächlich eine Gefährdung des Finanzplatzes bestand, dann wohl EU weit. Warum hat Finanzminister Pröll die Bayern so einfach aus ihrer Verantwortung entlassen? Warum trägt die EU kein Risiko, wenn der EZB-Präsident Trichet sich am Wochenende sogar in die Verhandlungen einschaltet?

Die Hypo Alpe Adria hat Bayern in den letzten Wochen ganz schön ins Schwitzen gebracht. Dort gilt der Kauf der Hypo Alpe Adria als katastrophale Fehlentscheidung. Wenn selbst der FDP-Wirtschaftsminister Zeil in Punkto „Verstaatlichung durch Österreich“ von einer guten Sache spricht, dann hätte Österreich aufhorchen müssen.

Bereits seit Tagen berichteten die deutschen Medien, daß die Bayern Österreich die Bank schenken wollten. Ein interessantes Spiel: zuerst volles Risiko voraus, dann ein symbolischer Verkauf um 1 Euro. Risiko und Schulden trägt der neue Eigentümer, nämlich wir Österreicherinnen und Österreicher. Wenn sich das herumspricht, können wir uns sicher bald auf viele neue Angebote mit kunterbunten Geschäftsmodellen freuen. Ernst nimmt uns da keiner mehr.

Finanzminister Pröll versucht, sich als guten Verhandler darzustellen. Er hätte die Alteigentümer hart in die Pflicht genommen – doch angesichts des Zahlenmaterials ist wohl eher zu vermuten, daß er die Nerven verloren hat: die Bayern LB belässt 3,075 Milliarden an Liquidität in der Bank. Wäre die Hypo in Konkurs gegangen, hätte sie zusätzlich zu diesen 3 Milliarden Euro Kreditausfälle in Höhe von ebenfalls 3 Milliarden Euro gehabt. Unterm Strich also 6 Milliarden Euro.

Selbst die angeblichen 825 Millionen Euro, die die Bayern LB laut Pröll in das System einschießt, entpuppen sich laut Presseinfo der Bayern LB als Verzicht von bestehenden Forderungen.

100% verstaatlicht und jetzt?

Unterm Strich bleibt uns als Steuerzahlern eine verstaatlichte Bank mit immensem  Risiko und kein Plan wie es weitergeht. Was tun, wenn es noch eine Bank erwischt (die Volksbank wäre schon im Gespräch)? Anscheinend funktioniert noch nicht einmal die Bankenaufsicht, denn von langfristiger Planung, unterschiedlichen Konzepten und Alternativen für die Hypo ist weit und breit nichts zu sehen.

Was wir als Liberale von der Verstaatlichung einer Bank halten, haben wir immer wieder klar auf den Tisch gelegt. Jedenfalls darf eines künftig nicht mehr passieren: am Wochenende schnell eine Bank zu verstaatlichen, weil es keine Alternative gibt. Denn das ist mehr als unverantwortlich.

Don't be the product, buy the product!

Schweinderl